Große Exkursion Peru

Treffpunkt ist in Lima in einem Hostel im sicheren und reichen Stadtteil Miraflores. Es ist sehr heiß, obwohl wir bereits nach 21 Uhr haben und man erkennt sofort, wer von den Kommilitonen schon eine Weile in Südamerika unterwegs war, wer erst ein paar Tage zuvor in Lima angekommen ist und bereits an Tag 1 die Sonne gewaltig unterschätzt hat oder wer gerade erst mit der Maschine aus München gelandet ist. Man freut sich bekannte Gesichter zu sehen, aber trotzdem ist es eine skurrile Situation, die Kommilitonen und die Dozenten, Herrn Hagg und Herrn Mayer, fernab von universitären Gebäuden in einem fremden Land anzutreffen. Es sind auch tatsächlich alle 25 Studenten pünktlich erschienen und wir bekommen eine kurze Einführung und lernen unsere Reisebegleiterin Corinna kennen. Die meisten sind erschöpft von der langen Anreise und nach ein bis zwei Feierabendbieren fallen wir müde ins Bett. Umso euphorischer starten wir in den ersten Exkursionstag und es wartet eine Stadtführung durch Lima auf uns. Es hat schweißtreibende Temperaturen in der trockensten Hauptstadt der Welt und die Sonne sticht senkrecht von oben, aber mit Lichtschutzfaktor 50+ ist einiges möglich. Gegen Abend sind wir zu einem Vortrag an einer Uni in Lima eingeladen. Er handelt von der Wasserversorgung Limas, was ein brandaktuelles Thema ist, da genau an diesem Tag die Wasserversorgung aufgrund heftiger Regenfälle zusammenbrach. So mussten wir uns wohl oder übel eine Nacht ohne Leitungswasser zurechtfinden.

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Unsere Route ging weiter Richtung Süden. Mit dem Bus fuhren wir die Panamericana entlang durch die Wüste bis wir an unserem ersten Halt Paracas ankamen. Hier lernten wir viel über die dort heimischen Tiere und bewunderten Seelöwen, Vögel aller Arten und sogar Pinguine konnten wir entdecken. Später am Tag fuhren wir weiter Richtung Nazca, wo wir die Nacht verbringen sollten. Nach einer guten Stunde im bequemen Nightliner hieß es plötzlich: Alle aussteigen! Aufgrund von Überschwemmungen der Panamericana konnte unser Bus nicht weiter fahren. So luden wir unsere Rucksäcke aus und standen relativ ratlos an einem Busbahnhof. Corinna sah man hektisch von A nach B rennen und in null Komma Nichts war klar, wir können weiter. Ein viel kleinerer Bus wartet auf der anderen Straßenseite auf uns und wir stopften uns, samt unserem Gepäck – Tetris-Erfahrung sei Dank – in den kleinen Bus, in dem wir die nächsten drei Stunden verbrachten. Man sehnte sich ein wenig nach dem komfortablen Nachtbus, aber irgendwie war es auch sehr abenteuerlich und man hat sich ja mit der Reise in ein Entwicklungsland auf einiges gefasst gemacht, sodass wir wohlbehütet mit etwas Verspätung unser Nachquartier erreicht haben. Bereits am dritten Tag der Exkursion hatte man das Gefühl trotz der großen Gruppe einige Kommilitonen richtig gut kennengelernt zu haben und es sind neue Freundschaften entstanden. Obwohl wir alle schon fünf oder mehr Semester miteinander studieren, kannten sich viele bisher nur flüchtig. Das Gefühl von Abenteuer schweißt erstaunlich schnell zusammen.

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Nachdem wir einen entspannten Tag in Nazca verbracht und die berühmten Nazca-Linien aus Inkazeiten bewundert hatten, fuhren wir nach Arequipa was bereits auf knapp 2400 Meter ü. NN. liegt. Hier sollten wir uns bereits an die Höhe gewöhnen, denn schon am nächsten Tag fuhren wir über einen Pass auf fast 5000 m hoch. Einige noch leicht betäubt von der Höhe, stiegen wir am höchsten Punkt aus und hatten im Sonnenaufgang einen atemberaubenden Blick über scheinbar nie endende Gebirgszüge und sogar einen aktiven Vulkan. Da schlägt das Geographen-Herz doch höher, vielleicht lag es aber auch an der dünnen Luft dort oben.

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Auf über 1000 Höhenmeter tiefer wartete eine dreitägige Wanderung durch den bekannten Colca Canyon auf uns. Wir nahmen nur das nötigste Gepäck mit und einige haben sich noch mit Bambus-Wanderstöcken und genügend Trinkwasser ausgestattet. Gespannt was uns erwartet laufen wir unserem einheimischen Bergführer, ein echter Inka-Warrior, wie er sich selbst betitelt, hinterher. Nach einigen Stunden bergab erreichten wir den Fluss Colca und kurz darauf unsere Unterkunft. Die Nacht haben wir in Lehmhütten bei einer peruanischen Familie verbracht. Zu Abend gab es Alpakafleisch und andere lokale Köstlichkeiten. So schlürften wir unseren Lemongras-Tee und ließen den Abend gemütlich ausklingen. Am nächsten Morgen ging es wieder hoch und wir bekamen die Höhe deutlich zu spüren. Im Schneckentempo und schwer atmend gingen wir das erste Stück fast nur bergauf bis wir ein Teilstück geradeaus gehen konnten. Immer wieder machten wir Halt um interessante geologische Formen und erodierte Hänge zu betrachten. Auch die zweite Nacht verbrachten wir in Lehmhütten, aber diesmal in einer Flussoase. Mittlerweile haben wir uns fast an die nächtlichen Begegnungen mit Spinnen und Kröten in allen Größen gewöhnt, jedoch brachte uns ein kleiner Skorpion in einer der Hütten leicht aus dem Konzept. Nach einer kurzen Nacht machten wir uns noch in der Dunkelheit an den Aufstieg aus dem Canyon. Wir mussten wieder gute 1000 Höhenmeter nach oben. Schneller als erwartet waren wir alle oben angekommen. Da merkt man doch, dass wir zuhause den Bergen so nah sind. Noch am selben Tag ging es weiter Richtung Puno am Titicaca See, der höchst gelegene schiffbare See der Welt. Hier verbrachten wir eine Tag auf dem See und besuchten eine Insel, von der aus wir bis auf das bolivianische Festland blicken konnten.

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Unsere nächste Station war die ehemalige Inkahauptstadt Cusco und der Ausflug zum UNESCO Weltkulturerbe Machu Picchu. Fast zum ersten Mal seit Beginn der Exkursion sind wir zahlreichen anderen Touristen begegnet. Dies hat dem Zauber von Machu Picchu aber keinen Abbruch getan. Erst jetzt wird uns bewusst, dass sich die Exkursion langsam aber sicher dem Ende neigt. Doch der letzte Ort, eine Lodge mitten im Dschungel, hatte nochmal eine gute Portion Abenteuer in petto. Von Puerto Maldonado ging es in der Dunkelheit auf einem äußerst knapp bemessenen Boot den Amazonas Zufluss Madre de Dios hinab. Bei jeder kleinsten Bewegung kam das Boot ins Schwanken und für ein paar war ein Beruhigungsbier die einzige Lösung diese Fahrt zu überstehen. Nach dem ersten Schreck verbrachten wir drei wunderschöne und interessante Tage im Dschungel. Mit Gummistiefel und Regenjacke gerüstet sind wir stundenlang durch Schlamm und flache Tümpel gestapft und haben die Flora und Fauna bewundert. Von giftigen Ameisen bis hin zu Affen haben wir einiges gesehen. Mit diesen vielen neuen Eindrücken machten wir uns nach insgesamt zwei Wochen auf zum Flughafen, um zurück nach Lima zu fliegen. Wir blicken zurück auf eine interessante, abwechslungsreiche und spannende Exkursion, bei der uns nochmal bestätigt wurde, dass Geographie eindeutig die richtige Studienwahl war.

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